Neue Studie des ifeu-Instituts zur Klimabilanz

Chemie und die Auswirkungen auf die Umwelt
Antworten
Benutzeravatar
Johann
Beiträge: 3354
Registriert: 09.05.2006, 12:42
Fahrzeug: B 524 auf Fiat, Modelljahr 1999 bis 2006
spezielles zum Fahrzeug: B 524, Maxi, 2.3 JTD, Partikelfilter, EZ: 3/2006
Spritmonitor: 202688
Wohnort: Ladenburg

Neue Studie des ifeu-Instituts zur Klimabilanz

Beitrag von Johann »

Von einem Reisemobilfahrer bin ich auf die Studie "Klimabilanz von Reisen mit Reisemobilen und Caravans" hingewiesen worden, die vom CIVD initiiert worden war. Die Studie ist unter https://www.civd.de/wp-content/uploads/ ... obilen.pdf nachzulesen.

Ich habe die 57 Seiten von A bis Z durchgelesen, und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass die Studie doch sehr theoretisch ist. Warum? Weil darin der Eindruck vermittelt wird, dass Reisen mit dem Reisemobil auch mit einer Kreuzfahrt verglichen werden können. Ja, aber nur unter dem Aspekt Klimabilanz. Aber das Reisemobil lädt doch vorwiegend zu Individualreisen ein, auch mit spontanen Ortswechseln.

Interessant finde ich auch die ab Seite 47 (Kapitel 7 "Technische Potenziale der Reisemobile und Caravans 2030+") angesprochene Themen "Elektrifizierung und Leichtbau". In diesem Kapitel wird ein Überblick über emissionsrelevante technische Potenziale bei Reisemobilen und Caravans gegeben. Dazu erfolgt eine qualitative und semiquantitative Diskussion aktueller technischer Entwicklungen und alternativer Antriebskonzepte für Reisemobile und Caravans, wie Hybridisierung, Elektrifizierung und Leichtbau.

Der Herstellerverband CIVD als Auftraggeber dieser Studie weiß sehr wohl, dass in diesem Kapitel unbedingt auch die seit langer Zeit bekannten Probleme "Unfallsicherheit" und "zulässige Gesamtmasse 3.500 kg" hätten beleuchtet werden müssen. Das aber war sicherlich nicht gewollt, denn mit dieser Studie soll doch aufgezeigt werden, wie klimafreundlich der Reisemobil-Tourismus sei.

Dazu ein Blick auf die CIVD-Seite https://www.civd.de/artikel/caravaning-klimabilanz/. Dort heißt es so schön:
Die Forscher des Heidelberger Instituts für Energie- und Umweltforschung (ifeu) haben in einer neuen Studie die Treibhausgas-Emissionen verschiedener Urlaubsformen analysiert. Demnach werden beim Urlaub mit Reisemobil oder Caravan vor allem gegenüber Flugreisen und Hotelübernachtungen weniger klimaschädliche Emissionen freigesetzt.

Nicht erst seitdem die Anhänger der „Fridays for Future“-Bewegung um Greta Thunberg weltweit regelmäßig auf die Straßen gehen, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren, ist das Thema Treibhausgas-Emissionen ins Bewusstsein der Menschen gedrungen. Zunehmend kritisch gesehen werden auch Urlaubsreisen. Und auch immer mehr Urlauber fragen sich nach den Auswirkungen ihrer Reisen für Umwelt und Klima.

Das Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) hat in einer neuen Studie die Emission von klimaschädlichem CO2 verschiedener Urlaubsreisen untersucht. Ergebnis: Caravaning hat eine vergleichsweise gute Klima-Bilanz. Bereits 2007 und 2013 waren zwei Studien des Öko-Instituts zu ähnlichen Erkenntnissen gekommen. Analysiert wurden jeweils die verschiedenen Komponenten einer Urlaubsreise: An- und Abreise, Übernachtung und Verpflegung sowie Mobilität vor Ort. Die ifeu-Studie berücksichtigt zudem zusätzlich die Herstellung (Materialbilanz, Energiebedarf der Fertigung, Wartung) sowie die Entsorgung der Freizeitfahrzeuge.

Weniger CO2 als Pkw plus Hotel – kaum schlechter als Reise mit der Bahn

Anhand einer Reise nach Rügen von zwei Personen ergibt sich eine günstigere Klima-Bilanz eines Caravaning-Urlaubs als dies bei einer Anreise mit einem Pkw und einer Übernachtung im Hotel der Fall wäre. Zwar emittieren Reisemobile und Pkw-Caravan-Kombinationen aufgrund ihrer Größe und Masse mehr Treibhausgase bei der An- und Abreise. Doch wird dies durch die geringeren CO2-Emissionen der Unterkunft – in diesem Fall ein Camping- oder Reisemobilstellplatz – mehr als kompensiert. Denn bei einer Hotelübernachtung werden pro Person bis zu zehnmal so viele CO2-Äquivalente freigesetzt wie beim Caravaning.

Der Vergleich fällt folglich umso günstiger für Caravaning aus, je kürzer An- und Abreise sind bzw. je länger der Aufenthalt ist. Bei der angenommenen Rügen-Reise schneidet nicht einmal die Anreise mit der Bahn (bei Übernachtung im Hotel) wesentlich besser ab als die Caravaning-Reise. Gleiches gilt für Fernbusse. Die CO2-Einsparung bei der klimafreundlicheren An- und Abreise mit dem öffentlichen Personenfernverkehr reicht nicht aus, um den schlechteren Wert der Unterkunft auszugleichen.

Caravaning klimafreundlicher als Flugreisen

Das renommierte Heidelberger Institut analysierte auch die Klima-Bilanz einer Auslandsreise, konkret nach Südfrankreich. Hier nahmen die Forscher unter anderem einen Vergleich mit einer Flugreise bei Übernachtung im Hotel vor. Eine Caravaning-Reise liegt hier klimatechnisch deutlich vorne. Bei einer Übernachtung auf einem Stellplatz ist der Effekt noch einmal größer als auf einem Campingplatz.
Grüße aus Ladenburg als der ältesten Stadt rechts des Rheins,
Johann
Benutzeravatar
KudlWackerl
Beiträge: 2986
Registriert: 15.08.2018, 12:55
Fahrzeug: ML-T 580 auf MB, Modelljahr 2015 bis 2020
spezielles zum Fahrzeug: BJ 2018/19 1one Edition, 380W Solar, 200 Ah LiFeYPo4 , ZLF, uvm.
Kontaktdaten:

Re: Neue Studie des ifeu-Instituts zur Klimabilanz

Beitrag von KudlWackerl »

Hallo Johann,

Schon 2013 hatte solch ich ein umweltfreundliches Leichtbau Womo :

Kuckst du:

Bild

Grüße, Alf
Aus Lügen, die wir glauben, werden Wahrheiten, mit denen wir leben. [ Oliver Hassenkamp - 1921 - 1988 ]

Don't mind your make-up, you'd better make your mind up --- Frank Zappa 1940 - 1993
Benutzeravatar
WolfRam
Beiträge: 352
Registriert: 11.03.2015, 14:55
Fahrzeug: anderer Hersteller
spezielles zum Fahrzeug: RMB 750 HE, Bj. 2006 auf Basis Sprinter 616
Wohnort: im Illertal

Re: Neue Studie des ifeu-Instituts zur Klimabilanz

Beitrag von WolfRam »

Bitte nicht überbewerten …
Auch für jedes Gutachten gilt der bekannte Spruch: „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“ entsprechend. Wenn ein Camping-Verband das Reisen mit dem Wohnmobil hinsichtlich der Öko- und Klimabilanz mit anderen Formen des Reisens vergleichen lässt, ist klar, dass uns das Ergebnis nur zur Kenntnis gelangt, wenn es im Sinn des Auftraggebers ist. Auch darf man/frau fragen, ob derartige Vergleiche überhaupt einen Sinn machen; sie sind nie vollständig und „wirklich“, z. B. fehlt in der vom CIVD finanzierten aktuellen Studie die Berücksichtigung der Verkehrs- bzw. Umweltbelastungen, die von den Urlaubern in der Reisezeit – in Form der typischen Staus – verursacht werden.

Fluggesellschaften und Reedereien stellen gerne den Treibstoffbedarf pro Kilometer pro Passagier in den Vordergrund. – und weisen auf die Klimaschutzprojekte hin, die sie zur Reduzierung der ‚Treibhausgase‘ fördern. Und es überrascht auch nicht, dass die Airlines den Flug nach Malaga zum Badeurlaub pro Person „umweltverträglicher“ darstellen, als eine Auto- bzw. Reisemobilfahrt in den Süden Spaniens …

Vergleiche von Produktionsverfahren / Herstellkosten für die Reisemittel sind ohnehin reine Zahlenakrobatik, weil Baukosten, Wartungskosten und Nutzungsdauer durch die unterschiedlichen Typen schon allein innerhalb einer Variante der Reisemittel nicht vergleichbar sind – und erst recht nicht zwischen Auto, Flugzeug und Schiff. Da lassen sich höchstens Durchschnittswerte errechnen, die dem Einzelnen für eine Kaufentscheidung (oder seine Klärung, welche Art für den nächsten Urlaub die klimafreundlichste ist) nicht wirklich helfen. (Das verhält sich ähnlich wie der Durchschnittswert für Treibstoffkosten; der eine reist mit 9 Liter, der andere mit 16 Liter pro hundert Kilometer ... ) Äpfel und Birnen zu vergleichen ist m. E. akademischer Nonsens – aber voll im Trend.

Mit solchen Betrachtungen retten wir uns nicht vor dem Klimawandel. Nur ein Verzicht auf jede Art einer „motorbetriebenen Standortveränderung“ im Rahmen unserer Freizeitgestaltung – ab sofort und weltweit – dürfte eine messbare Wirkung haben. Ein derartiger Gesinnungswandel ist aber nicht auszumachen, höchstens bei einer Minderheit. Die Mehrheit, so lesen wir auch in diesem Forum, wartet nur darauf, dass es nach Corona wieder „richtig losgeht“, so wie früher. Umwelt? Da sollte erst einmal der Herr Nachbar, oder die Amis oder die Chinesen oder, oder …

Ich vergleiche meine/unsere Situation mit der eines Reisenden in einem Zug: Unser Express rast mit zunehmender Geschwindigkeit weiter Richtung Abgrund. In einigen Wagons basteln überlebenswillige Einzelgänger an kreativen Lösungen, die der Lok Flügel verleihen sollen. ABER keiner kommt auf die Idee, den Zug zuerst einmal zu stoppen, solange, bis sich die Flügel als funktionsfähig erwiesen haben.
Grüße aus dem Illertal
WolfRam
Antworten
HME Reisemobil-Forum : Disclaimer/Impressum/Datenschutz