Unsere Verantwortung für die Umwelt

Chemie und die Auswirkungen auf die Umwelt
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Johann
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Von Menschen gemachte Klimakatastrophe … und wie gehen wir damit um?

Beitrag von Johann »

ahime hat geschrieben: 21.08.2021, 14:42 Es ist ein schwieriges Thema und ganz ehrlich, ich habe den Glauben daran verloren, das wir die "Kurve kriegen". Die Gier nach Macht und Geld, die Gedankenlosigkeit, Gleichgültigkeit und auch Dummheit sind Merkmale in unserer Zivilisation, die aus meiner Sicht zu häufig anzutreffen sind. Natürlich kann jeder einzelne, wie in den vorherigen Beiträgen beschrieben, einen Beitrag leisten. Ich fürchte nur, dass es nicht reichen wird. Das gesellschaftliche Leben muss durch vernünftige und nachhaltige Regelungen weltweit durch die Regierungen gestaltet werden. Und genau da sehe ich das Problem. Eine globale Abstimmung zum Thema Umweltschutz ist bis heute nicht wirklich gelungen, auch wenn es kleinste Erfolge wohl gegeben haben mag. Dies liegt eben an den Verhaltensweisen der Regierenden, die ich oben aufgeführt habe. Ich will hier nicht den Kopf in den Sand stecken. Nur wenn die Menschen bereit sind, massenhaft und kontinuierlich auf die Straße zu gehen, um ihren Unmut gegen die Zerstörung unseres Planeten zu demonstrieren, können wir möglicherweise etwas verändern. Nur, wie können wir eine solche Bewegung in Gang setzen? Ein simpler Beitrag wie dieser reicht da nicht. Das wäre vielleicht ein Thema, das man eher in einer persönlichen Runde diskutieren könnte.
Hallo Achim,
danke für Deinen Beitrag. - Die Regierenden, das sind die Politiker, die wir direkt oder indirekt gewählt hatten. Von der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger hatten die Regierenden offensichtlich nicht den eindeutigen Auftrag erhalten, sich um die Lösung der Klimakatastrophe zu kümmern. Die Order lautete vermutlich "weiter so wie bisher". Oder "Klimaschutz ja, aber nicht vor meiner Tür". Wir haben ja jetzt die gute Chance, bei der Bundestagswahl die Weichen in die richtige Richtung zu stellen. Dann müsste die neue Regierung mit einem zukunftsweisenden Programm starten:
  • Umschalten auf erneuerbare Energien. Windkraftwerke auch "vor meiner Haustür". Möchte ich eigentlich nicht haben, aber ich möchte auch künftig ausreichend elektrische Energie verfügbar haben. Also muss ich die Kraftwerke auch erdulden. Photovoltaik-Anlagen auf jedem Gebäude, neben Fernstraßen und Bahngleisen. Stromspeicher einrichten und nutzen.
  • Kohlekraftwerke entbehrlich machen. Nutzung von "sauberer" Kernenergie gar nicht erst wieder starten (wird gelegentlich mit Hinweis auf Frankreich wieder diskutiert).
  • Natürliche Grünflächen erhalten und neu einrichten. Verbot von Steingärten (Neuanlage in BW seit 2019 verboten). Aufforstungen mit geeigneten Bäumen. Sie sind unsere "Klimaanlagen"). - Landwirtschaft neu ordnen. Naturnahe Tierhaltung. Insektizide so weit als möglich meiden, weil die Natur die Insekten benötigt. Blühstreifen neben den Feldern anlegen.
  • Güterfernverkehr auf die Schiene verlagern. Dafür muss zunächst ein entsprechendes Schienennetz geschaffen werden. - Damit erreichen wir eine erhebliche Entlastung des Fernstraßennetzes. Die vielen Lastzüge aus Osteuropa stoppen an unseren Außengrenzen. Ja, ich weiß, der Warentransport würde damit deutlich teurer. ABER: Ich halte es unter dem Aspekt Nachhaltigkeit für erstrebenswert, lange Transporte nach Möglichkeit zu vermeiden. Das ist es mir wert!
  • Öffentlichen Personennahverkehr schaffen. Nicht nur vom Namen her, sondern auch in der Sache. Ziel: Gute Verbindungsnetze einrichten, enge Takte, gute Anschlüsse, sodass viele Bürgerinnen und Bürger zum Umstieg auf den ÖPNV bereit wären und auf das eigene "heiligs Blechle" verzichten. - Gutes Netz von Fahrradstraßen einrichten.
  • Innerdeutschen Flugverkehr deutlich unattraktiver werden lassen. Ist letztlich eine Frage des Preises, wenn sehr gute Bahn-Alternativen verfügbar wären.
Diese Auflistung könnte ich noch weiter fortsetzen. Aber ich ahne, dass manche Zeitgenossen (noch) nicht bereit sind, umzudenken und umzuhandeln.
Grüße aus Ladenburg als der ältesten Stadt rechts des Rheins,
Johann
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KudlWackerl
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Re: Von Menschen gemachte Klimakatastrophe … und wie gehen wir damit um?

Beitrag von KudlWackerl »

Johann hat geschrieben: 22.08.2021, 12:22
ahime hat geschrieben: 21.08.2021, 14:42 Es ist ein schwieriges Thema und ganz ehrlich, ich habe den Glauben daran verloren, das wir die "Kurve kriegen". Die Gier nach Macht und Geld, die Gedankenlosigkeit, Gleichgültigkeit und auch Dummheit sind Merkmale in unserer Zivilisation, die aus meiner Sicht zu häufig anzutreffen sind. Natürlich kann jeder einzelne, wie in den vorherigen Beiträgen beschrieben, einen Beitrag leisten. Ich fürchte nur, dass es nicht reichen wird. Das gesellschaftliche Leben muss durch vernünftige und nachhaltige Regelungen weltweit durch die Regierungen gestaltet werden. Und genau da sehe ich das Problem. Eine globale Abstimmung zum Thema Umweltschutz ist bis heute nicht wirklich gelungen, auch wenn es kleinste Erfolge wohl gegeben haben mag. Dies liegt eben an den Verhaltensweisen der Regierenden, die ich oben aufgeführt habe. Ich will hier nicht den Kopf in den Sand stecken. Nur wenn die Menschen bereit sind, massenhaft und kontinuierlich auf die Straße zu gehen, um ihren Unmut gegen die Zerstörung unseres Planeten zu demonstrieren, können wir möglicherweise etwas verändern. Nur, wie können wir eine solche Bewegung in Gang setzen? Ein simpler Beitrag wie dieser reicht da nicht. Das wäre vielleicht ein Thema, das man eher in einer persönlichen Runde diskutieren könnte.
Hallo Achim,
danke für Deinen Beitrag.

...

Diese Auflistung könnte ich noch weiter fortsetzen. Aber ich ahne, dass manche Zeitgenossen (noch) nicht bereit sind, umzudenken und umzuhandeln.
Hallo Johann,

Denke daran, dass du von mir schon sehr persönlich zum Bastlertreffen in der Pfalz eingeladen bist. Gib dir einen Ruck und melde dich an.

Auf die Diskussionen dieses Themas in der abendlichen Runde freue ich mich schon.

Grüße, Alf
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Johann
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Von Menschen gemachte Klimakatastrophe … und wie gehen wir damit um?

Beitrag von Johann »

Gerade habe ich im Buch "Überhitzt. Die Folgen des Klimawandels für unsere Gesundheit" auch die letzten Seiten gelesen. Dabei bin ich auf eine mir bisher nicht bekannte "3,5-Prozent-Regel" gestoßen. Kurz "Tante Google" konsultiert mit diesem Ergebnis:
Die „3,5-Prozent-Regel“: Wie eine kleine Minderheit einen radikalen Wandel auslösen kann

Wie viele Menschen braucht es in einem Staat, um in zentralen politischen oder gesellschaftlichen Fragen einen radikalen Kurswechsel anzustoßen? Oder konkreter: Wie viele Menschen müssen auf die Straße gehen, damit die Politik endlich wirksame Maßnahmen gegen die Erderhitzung ergreift? Diesen Fragen ist ein Team um die Politikwissenschaftlerin Erica Chenoweth aus Harvard nachgegangen. Die Ergebnisse der Studie stellt die BBC jetzt in einem Text vor.

Chenoweth und Kollegen haben sich zahlreiche Fälle angeschaut, in denen friedliche und gewalttätige Proteste der Bevölkerung Regierungen zum Rückzug gezwungen haben, darunter auch den Fall der DDR. Daraus haben sie eine Zahl abgeleitet: Nur etwa 3,5 Prozent der Bevölkerung sind nötig, um einen tiefgreifenden politischen Wandel einzuleiten – Wasser auf die Mühlen der Aktivisten von Extinction Rebellion, die sich laut BBC auf die Arbeit von Chenoweth beziehen.

Die Wissenschaftler haben auch herausgefunden, dass friedliche Proteste etwa doppelt so erfolgreich sind wie gewaltsame. Sie erklären das damit, dass es bei gewaltfreien Aktionen leichter ist, die kritische Masse an Menschen zu mobilisieren. Bloßes Demonstrieren reicht allerdings oft nicht. Bestes Instrument ist Chenoweth zufolge ein Generalstreik.
Das lässt mich hoffen ... Wir könnten die Kurve doch noch kriegen ... :-) :-) :-)
Grüße aus Ladenburg als der ältesten Stadt rechts des Rheins,
Johann
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Re: Unsere Verantwortung für die Umwelt

Beitrag von ahime »

Johann, ich stimme Dir in vielen Punkten zu. Wir sprechen insgesamt aber über ein globales und nicht über ein deutsches Problem. Ich schließe mich Alf an, lass uns das mal in einer Runde diskutieren, denn das würde hier sonst sicher den Rahmen sprengen.
Achim
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Re: Von Menschen gemachte Klimakatastrophe … und wie gehen wir damit um?

Beitrag von mpetrus »

KudlWackerl hat geschrieben: 22.08.2021, 12:57
Hallo Johann,

Denke daran, dass du von mir schon sehr persönlich zum Bastlertreffen in der Pfalz eingeladen bist. Gib dir einen Ruck und melde dich an.

Auf die Diskussionen dieses Themas in der abendlichen Runde freue ich mich schon.

Grüße, Alf
Alf,
bitte organisiere hierfür ein Politiktreffen.
Ich persönlich freue mich bei dem Basteltreffen auf gesellige Stunden nicht auf Politik Diskussion die dann evtl. ausarten.
Grüße Michael
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Re: Unsere Verantwortung für die Umwelt

Beitrag von KudlWackerl »

Auch eine gute Idee!

Die Organisation darf gerne jemand anders übernehmen. ;-)

Grüße, Alf
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Re: Unsere Verantwortung für die Umwelt

Beitrag von ahime »

Michael, ich kann Dir von meiner Seite zusichern, dass ich wegen "basteln und Geselligkeit " teilnehmen werde. Also, keine Sorge.
Gruß Achim
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Re: Unsere Verantwortung für die Umwelt

Beitrag von mpetrus »

@ahime

Dann trage dich bitte der Ordnung halber auch in den betreffenden Thread als Teilnehmer ein.

https://forum.hme-ev.de/viewtopic.php?f=6&t=14504
Grüße Michael
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Re: Unsere Verantwortung für die Umwelt

Beitrag von KudlWackerl »

mpetrus hat geschrieben: 23.08.2021, 20:16 @ahime

Dann trage dich bitte der Ordnung halber auch in den betreffenden Thread als Teilnehmer ein.

https://forum.hme-ev.de/viewtopic.php?f=6&t=14504
Hat er schon. ;-)
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Re: Unsere Verantwortung für die Umwelt

Beitrag von mpetrus »

Asche auf mein Haupt. :oops:
Grüße Michael
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Klimakrise bei "maybrit illner": "Wer immer die Wahl gewinnt, muss danach die Welt retten"

Beitrag von Johann »

Heute unter im Internet gefunden: https://web.de/magazine/politik/politis ... n-36200410
Klimakrise bei "maybrit illner": "Wer immer die Wahl gewinnt, muss danach die Welt retten"
Aktualisiert am 24.09.2021, 09:03 Uhr

Weltrettung ja, aber etwas dafür tun lieber nicht? Am Donnerstagabend sezierten Maybrit Illner und ihre Gäste den Wahlkampf zur Bundestagswahl. Der Tenor: Keine Partei erklärt dem Wähler den Ernst der Lage bei der Klimakrise und was auf ihn zukommen wird. Und der will es auch gar nicht wirklich hören.

EINE KRITIK
von Christian Vock

Wenn eine Runde von Journalisten und Politikbeobachtern wenige Tage vor einer Wahl eine Vorab-Analyse unternimmt, dann ist das oft genug ein Abarbeiten von Floskel. An diesem Donnerstagabend jedoch nicht, denn diesmal wurde bei "maybrit illner" Tacheles geredet. Etwas, was so gut wie alle Parteien vor dieser Wahl vermieden haben. Herausgekommen ist ein Weckruf an alle, sich auf die neue Realität einzustellen. Das heißt: Es muss sich etwas radikal ändern, weil sich sonst alles radikal ändert.

Mit diesen Gästen diskutierte Maybrit Illner:
• Dagmar Rosenfeld, Chefredakteurin der "Welt"
• Markus Feldenkirchen, Politik-Redakteur beim "Spiegel"
• Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung Tutzing
• Albrecht von Lucke, Politologe und Publizist
• Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios in Washington (zugeschaltet)
• Matthias Jung, Vorstand der Forschungsgruppe Wahlen e. V. (zugeschaltet)

Darüber diskutierte die Runde bei Maybrit Illner:

Nein, ein Aufhalten mit Vorgeplänkel kann man Maybrit Illner an diesem Donnerstag wirklich nicht vorwerfen. Angesichts der Bedeutung dieser Bundestagswahl geht die Moderatorin gleich in die Vollen: "Alle Kandidaten sagen, die neue Regierung müsse echte Jahrhundertaufgaben stemmen. Da ist es besonders erstaunlich, wie viele teure Versprechen in Wahlprogrammen und Reden auftauchen. Deutschland muss sich neu erfinden, aber spüren sollen die Bürger davon irgendwie nichts", eröffnet Illner ihren Donnerstagstalk und fasst damit gleich zu Beginn bereits das ganz große Dilemma zusammen, um das es in den folgenden Minuten gehen sollte: Realität und Realitätsverweigerung.

"Wer immer die Wahl gewinnt, muss danach die Welt retten", skizziert der Off-Sprecher in einem Einspieler die Herkulesaufgabe, die angesichts der Klimakatastrophe vor der neuen Bundesregierung liegt.

Ursula Münch sieht die zu bewältigenden Aufgaben aber nicht nur bei der Bundesregierung. Zum einen habe die kommende Regierung wirklich Großes zu stemmen, gleichzeitig sei "nur ein Teil der Bevölkerung bereit, die Konsequenzen daraus zu ertragen und das mitzutragen. Der künftigen Regierung wird es tatsächlich schwer gemacht, weil wir ihr im Grunde dann durchaus in den Rücken fallen und sagen: Wir wissen eigentlich, dass man viel tun müsste, aber wirklich wünschen tun wir’s uns nicht und tragen es auch nur bedingt mit."
Mit anderen Worten: Weltrettung ja, aber bitte ohne Einschränkungen. Dass das nicht funktionieren kann, scheint klar, aber wie sagt man das dem Bürger? Vor diesem Dilemma sieht Albrecht von Lucke alle Parteien: "Das sind enorme Zumutungen, die sich selbst die Grünen in diesem Wahlkampf kaum trauen auszusprechen."

Während Christian Linder auf Innovationen nach dem Motto "wir erfinden uns raus" setze und Laschet "die andere klassische Antwort: wir wachsen uns raus" habe, hätten selbst die Grünen Angst gehabt, "dieses große gesellschaftliche Projekt deutlicher auszuformulieren." Von Luckes Fazit: Die Frage, wie man von einer Wachstumsideologie wegkommt, hat keine der Parteien angesprochen. Gleichzeitig gebe es "eine Bevölkerung, die sich zwar einerseits in Worten zum Klimaschutz bekennt, aber ihn in der Tat nicht umsetzt."

Markus Feldenkirchen erkennt aber auch einen völlig unangemessenen Umgang der Parteien mit der Klimakrise: "Sowohl die Programmatik, was die Parteien anzubieten haben, als auch wie der Wahlkampf geführt wird, ist ein Zeichen von Unreife und mangelnder Ernsthaftigkeit. Das Versäumnis der deutschen Politik im Umgang mit dem Klimawandel der vergangenen Jahrzehnte wurde quasi in diesem Wahlkampf fortgesetzt, indem die Größe der Aufgabe nicht erkannt wird. Und ehrlich gesagt, sind da Bürger und wir Beobachter, Journalisten Teil von dem Ganzen, wenn wir vergleichsweise Nebensächlichkeiten eine ganz große Aufmerksamkeit verleihen und das, was wirklich die Mega-Aufgabe unserer Generation ist, für die Generation, die da kommt, dem so wenig Raum beimessen."

Für die Grünen sieht Ursula Münch hier ein besonderes Problem, denn die anderen Parteien hätten sich das Kernthema der Partei, die Bewahrung der Schöpfung, gegriffen und böten nun leicht verdaulichere Feigenblatt-Lösungen an: "Es gibt inzwischen schlicht und ergreifend andere Parteien, die es einem ein bisschen komfortabler anbieten. Die sagen: 'Geht doch auch mit Innovationen, ich muss mich doch nicht ändern.'"

Die klarste Aussage des Abends:

Dagmar Rosenfeld rechnet überschlagsartig vor, welche Kosten Klimaschutzpolitik bereits jetzt kostet und kommt zu dem Schluss: "Mir fehlt die Phantasie wie das bezahlt werden soll."

Als Maybrit Illner hier die Kosten der Deutschen Einheit als Vergleichsgröße anführt, stellt Markus Feldenkirchen die Gegenrechnung auf: "Alles Geld, was wir zur Eindämmung der Erderwärmung jetzt investieren, ist das bestinvestierte Geld. Es ist mindestens so gut investiert wie in die deutsche Einheit, weil ansonsten all die politischen Punkte, die wir für bedeutsam halten – wie unser Rentensystem, wie unser Renteneintrittsalter ist, wie unsere Schulbildung aussieht – irgendwann keine Rolle mehr spielen.“

Mit anderen Worten: Es geht um alles oder nichts, wenn wir unseren Kindern einen Planeten hinterlassen wollen, auf dem auch sie noch einigermaßen gut leben können. Und dafür, so Feldenkirchen, müsse man eben jetzt Geld in die Hand nehmen: "Wenn wir den Punkt erreichen, wo die sogenannten klimatischen Kipppunkte erreicht sind. Wo Prozesse in Gang geraten, die unkontrollierbar sind und die große Teile unseres Planeten vernichten können, brauchen wir über all das, worüber wir in diesen Runden immer diskutiert haben, irgendwann nicht mehr diskutieren. Insofern: Jede Kreativität und jede Bereitschaft, dafür auch Geld – sinnvoll investiert – aufzubringen, ist, glaube ich, sehr, sehr sinnvoll."

So schlug sich Maybrit Illner:

Gut. Denn wie ihre Gäste, nahm auch die Moderatorin keine falsche Rücksicht und stellte die Fragen, die angesichts der Bedrohung durch die Klimakrise wirklich angemessen sind.

Das Fazit:

Dass wir durch die Klimakrise vor radikalen Herausforderungen stehen, sollte jedem inzwischen klar sein. Dass es für diese radikalen Herausforderungen aber auch radikale Lösungen braucht, davon ist im aktuellen Bundestagswahlkampf kaum etwas zu hören. Daher war der Donnerstagabend bei Maybrit Illner ein guter Abend, der sich von den üblichen Vor-Wahl-Talks abhob. Weil er endlich die Probleme beim Namen nannte und klarmachte, dass niemand um Einschnitte herumkommt – ganz egal, was welche Partei auch verspricht.
Ich bin sehr gespannt auf die Wahlergebnisse. Aber noch spannender werden die Gespräche zur Bildung einer handlungsfähigen Regierung werden. Mathematisch wird’s nicht lösbar werden, es kommt wirklich auf die Inhalte an!
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